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1.Videokonferenz Seite 2Bei der Mutter ist es anders schlimm, der Mutter tut es weh und da kann sie auch nicht sagen, was sie denkt und was sie fühlt, weil es die Mutter nicht aushalten kann. Sie tut der Mutter weh, wenn sie das erzählt. Sie muss sich dann quälen, etwas zu essen, damit es der Mutter gut geht. Die Mutter tue aber so, dass es ihr dann besser gehe. Sie führe ein verlogenes Leben. Sie belüge jeden. Sie tue so, als ob es ihr gut gehe, aber ihr gehe es im Grunde genommen immer schlechter. Ich betone, dass sie im Gespräch ja sehr offen sei und sie kann eingestehen, dass ihr das sehr gut tut, dass sie sich nicht verstellen muss und dass ich das aushalte. Die Mutter wäre längst schon weggelaufen vor Traurigkeit. Sie hätte das gar nicht der Mutter sagen können. Eine Last fällt von ihr ab, dass sie das eingestehen kann. All das erzeugt einen inneren Zustand, Gefühle, die einen auffressen, ein Zustand, der nicht mehr auszuhalten sei, den sie loswerden möchte, den sie auskotzen möchte. Sie will es auch nicht aufschreiben. Sie könnte es gar nicht lesen, was sie da aufschreiben müsste. Den Frust, den sie dann habe, lasse sie in der Regel an Anderen aus. Das erschwere ihr das Leben noch zusätzlich. Sie verliert dadurch andere Menschen, vor allen Dingen ihre Schwester, die sich auch immer mehr zurückzieht von ihr. Dabei habe sie sonst gar keinen. Auch der Freund verstehe es nicht. Der Freund denke, sie habe nur Figurprobleme und wolle mal ein bisschen was abnehmen aber er verstehe überhaupt gar nicht ihre Krankheit. Er höre auch nicht mehr zu und gehe einfach weg, wenn das Thema auftrete. Dann wird sie besonders aggressiv. Sobald sie ein bisschen von dem Zustand offenbart, wie es wirklich in ihr aussieht, dann brechen die Beziehungen ab. Nun zeigt sie deutliche Reaktion im Gesicht. Sie fängt an zu weinen. Es tut weh dieses ständige Alleine-sein dadurch. Sie werde abgeschoben. Alle verlangen, dass sie darüber redet über ihr Problem und sobald sie es tut, drehen sie ihr den Rücken zu, im Krankenhaus aber vor allen Dingen auch zu Hause. Sie komme in einen Teufelskreis, alles wird schlimmer und mittlerweile fehle ihr selbst die Kraft, sich zu übergeben. Sie möchte wieder Lebensfreude. Lebensfreude bedeutet für sie Allein-sein, wo sie in Ruhe gelassen wird, wo keiner versucht, in sie einzudringen. Wir thematisieren das Thema „Sexualität“. Sie mag keine körperliche Nähe, sie mag keine Berührungen, auch eine Umarmung von der Mutter mag sie nicht. Sie ekelt sich vor den anderen Menschen. Sie brauche keine Zuneigung. Sie möchte aber verstehen, warum sie so fühlt und reagiert. Sie deutete eine belastende Beziehung vor mehreren Jahren an, in der sie Sexualität zugelassen hat um in Ruhe gelassen zu werden. Sie schämt sich darüber zu sprechen, weil dann wieder etwas entstehen könnte, wo sie nicht verstanden werde. Sie wisse eigentlich gar nicht, ob sie überhaupt jemanden liebe, Vater, Schwester, Mutter, egal wen. Hat Angst, sie geht mir auf die Nerven. Wir vereinbaren weitere Kurzgespräche, in denen sie nur zu sagen braucht, wie sie sich fühlt. Die Abstände bestimme sie selber. Sie lehnt die Tagesklinik ab, weil ihr das tägliche darüber zu sprechen auch zuviel wäre. Sie hasst es, wenn nachgehakt wird. Hier in der Praxis tut es ihr gut, dass sie einfach offen sein kann, dass es hier offen zugehe und dann sei sie auch ehrlich zu sich selber. „Wenn ich hier bin, bin ich ehrlich zu mir“. Diese Formulierung von ihr nehmen wir als Basis für die weitere Behandlung. Diskussion mit den StudentenIn der Diskussion sind die Studenten zunächst irritiert, trauen sich keine Fragen zu stellen. Offensichtlich befürchten sie, mit ihren Fragen die Patientin wieder zu verletzen bzw. in sie einzudringen. ier klicken um den Text zu bearbeiten Modellpraxis der Universität zu Köln für angewandte Psychosomatik in der Allgemeinmedizin Dr.Thomas Reimer Arzt für Allgemeinmedizin ,Psychotherapie ,Psychosomatik ; Lehrbeauftragter am Institut für Psychotherapie und Psychosomatik der Universität zu Köln |